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Elektronisches Fahrtenbuch — was es leisten muss und welcher Anbieter passt.

Wie ein elektronisches Fahrtenbuch funktioniert, was das BMF-Schreiben vom 04.04.2018 fordert und welcher Anbieter zu welcher Flottengröße passt — Vergleich Vimcar, TomTom, Webfleet und Leasingengel Fleet.

· Geschätzte Lesezeit: 11 Min.· Anbieter-Stand: Q2/2026

Wer ein Papier-Fahrtenbuch ausprobiert hat, weiß, wie schnell die Disziplin nachlässt — eine vergessene Fahrt am Freitagnachmittag, und schon ist das ganze Quartal angreifbar. Elektronische Fahrtenbücher lösen dieses Problem durch automatische Aufzeichnung und revisionssichere Speicherung. Wer eine PDF-Vorlage oder Excel-Vorlage schon kennt, sieht hier den Upgrade-Pfad. Wer eine Flotte verwaltet, kombiniert das Fahrtenbuch idealerweise mit dem Modul Fahrzeugverwaltung — Termine, Schäden und Fahrtenbuch in einem Login.

Wie ein elektronisches Fahrtenbuch funktioniert

Ein elektronisches Fahrtenbuch besteht typischerweise aus zwei Komponenten: einem Erfassungsgerät im Fahrzeug (GPS-Tracker, OBD-Dongle oder Smartphone-App) und einer Cloud-Software, die die Daten revisionssicher speichert. Das Erfassungsgerät zeichnet Start, Ziel, Strecke und Kilometerstand automatisch auf. Der Fahrer ergänzt anschließend in der App den Reisezweck und die Trennung Geschäft/Privat.

Die Erfassung ist meist „immer-an". Sobald das Fahrzeug bewegt wird, beginnt die Aufzeichnung. Beim Abstellen schließt das System die Fahrt ab und fragt den Fahrer per Push-Benachrichtigung nach dem Zweck. Wer innerhalb der gesetzten Frist (typisch sieben Tage) keine Antwort gibt, sieht die Fahrt automatisch als „privat" markiert — das ist juristisch unkritisch, weil eine privat eingestufte Fahrt nie ungültig sein kann.

Die Cloud-Software protokolliert jede Eingabe und jede Korrektur mit Zeitstempel, Bearbeiter-ID und Original-Wert. Diese Audit-Trail-Funktion ist das Kernkriterium der Anerkennung: Das BMF-Schreiben vom 4. April 2018 verlangt, dass „nachträgliche Veränderungen der zur Verlässlichkeit der Aufzeichnung relevanten Daten technisch ausgeschlossen oder dokumentiert sind". Ohne dieses Protokoll ist die Software kein gültiges elektronisches Fahrtenbuch.

Was muss ein elektronisches Fahrtenbuch laut BMF leisten?

Erstens — vollständige Pflichtangaben pro Fahrt: Datum, Uhrzeit, Start- und Endort, Reisezweck, aufgesuchte Geschäftspartner, Kilometerstand vor und nach der Fahrt sowie die Kennzeichnung Geschäft / Privat. Wenn auch nur ein Feld fehlt, ist die Fahrt unvollständig und das Gesamtfahrtenbuch angreifbar.

Zweitens — revisionssichere Speicherung: Daten dürfen nach Abschluss der Fahrt nicht mehr stillschweigend geändert werden können. Korrekturen sind erlaubt, müssen aber als solche erkennbar bleiben (mit Original-Wert, Zeitstempel und Bearbeiter). Die meisten Anbieter erfüllen das über eine Datenbank mit Versionierungs-Spalten.

Drittens — zeitnahe Erfassung: Eingaben müssen spätestens sieben Kalendertage nach der Fahrt erfolgen. Spätere Eintragungen sind möglich, gelten aber als „nachträglich" und damit angreifbar. Gute Anbieter haben deshalb eine Push-Benachrichtigung, die nach drei Tagen erinnert.

Viertens — prüffähiger Export: Das Finanzamt muss die Daten in einem maschinell auswertbaren Format (PDF, CSV oder XLS) bekommen können. Die Exportfunktion sollte zudem einen Hashwert oder eine digitale Signatur enthalten, damit der Prüfer die Unverändertheit verifizieren kann.

Fünftens — DSGVO-konforme Datenhaltung: Wenn die Software auch private Fahrten aufzeichnet, müssen Fahrer aktiv zustimmen, und der Datenzugriff durch den Arbeitgeber muss auf die geschäftlich relevanten Daten beschränkt sein. Privatfahrten dürfen weder Ziel noch Streckenverlauf preisgeben — nur das Datum und die Kilometer.

GPS-Tracker vs. App vs. OBD-Dongle — was passt zu welchem Fahrzeug?

Smartphone-App: Die kostengünstigste Variante. Der Fahrer öffnet die App vor jeder Fahrt — die App nutzt das GPS des Smartphones zur Aufzeichnung. Vorteil: keine Hardware, sofort einsetzbar. Nachteil: hängt von der Disziplin des Fahrers ab. Wer die App vergisst, hat eine Lücke. Für Einzel-Dienstwagen mit zuverlässigen Fahrern okay; für Flotten zu fehleranfällig.

OBD-Dongle: Steckt in der OBD-2-Schnittstelle (bei den meisten PKW unter dem Lenkrad). Liest Zündung, Kilometerstand und Drehzahl direkt vom Fahrzeug. Vorteil: Aufzeichnung ist automatisch und unabhängig vom Fahrer. Nachteil: nicht alle Fahrzeuge unterstützen alle OBD-Funktionen, und einige Hersteller (insbesondere Premium-OEMs) sperren die OBD-Schnittstelle teilweise. Vorab Hersteller-Kompatibilität prüfen.

Festeinbau-GPS-Tracker: Eigenständiges Gerät, festverbaut unter dem Armaturenbrett oder im Kofferraum. Eigene SIM-Karte, eigene Stromversorgung über die Bordbatterie. Vorteil: keine Abhängigkeit von OBD-Funktionen oder Smartphone, läuft auch bei Mietwagen und Leasingrückgaben sauber. Nachteil: einmalige Installationskosten (typisch 150–250 Euro pro Fahrzeug) und Festeinbau, der bei Leasingrückgaben rückgebaut werden muss.

Faustregel: Einzeldienstwagen + disziplinierter Fahrer → App. Kleinflotte 5–20 Fahrzeuge mit OBD-kompatiblen Modellen → OBD-Dongle. Große Flotte oder Premium-Fahrzeuge → Festeinbau-Tracker. Bei gemischten Flotten kombinieren die meisten Anbieter — Vimcar und Webfleet haben App, Dongle und Tracker im Portfolio.

Anbieter-Vergleich: Vimcar, TomTom, Webfleet, Leasingengel Fleet

Vimcar — Marktführer in Deutschland für kleine bis mittlere Flotten. App + OBD-Dongle, Preis pro Fahrzeug rund 7–10 Euro / Monat. Stärke: einfache Bedienung, gute App, hervorragende Steuerberater-Anbindung mit Direkt-Export für DATEV. Schwäche: bei Flotten über 50 Fahrzeuge wird die Lizenzkosten-Skalierung teuer, und die Reporting-Funktionen sind für komplexere Setups eher rudimentär.

TomTom Telematics (heute Bridgestone): Festeinbau-Tracker plus eigene Plattform. Preis pro Fahrzeug rund 12–18 Euro / Monat. Stärke: belastbare Hardware, hervorragende Verfügbarkeit, Routenplanung und Live-Tracking integriert. Schwäche: starke Telematik-Ausrichtung — wer „nur" ein Fahrtenbuch will, zahlt für Features, die er nicht nutzt.

Webfleet (ebenfalls Bridgestone): Schwester-Produkt zu TomTom, fokussiert auf gewerbliche Großflotten ab 50 Fahrzeugen. ELD-Funktionen, Disposition, Fahrer-Identifizierung per RFID-Karte. Für reines Fahrtenbuch overengineered, für Spediteure und Handwerksbetriebe mit Disposition unschlagbar.

Leasingengel Fleet: Unser eigenes Modul, integriert in die Fuhrpark-Verwaltung. App + optionaler OBD-Dongle, kein Festeinbau-Tracker. Preis: bis 5 Fahrzeuge dauerhaft kostenlos im Free-Tarif (inkl. Fahrtenbuch-Modul), darüber ab 4,90 Euro / Fahrzeug / Monat. Stärke: tiefe Integration mit Termine, Schaden, TCO und Leasingrückgabe — ein Login statt fünf Tools. Schwäche: kein Live-Tracking (bewusst — wir bauen ein Fahrtenbuch, kein Telematik-Tool).

Einführungs-Empfehlung — die ersten 30 Tage

Tag 1–3 — Anbieter auswählen: Drei Anbieter eng auf die eigene Flottengröße eingrenzen, jeweils eine 14-Tage-Testlizenz besorgen. Wichtig: vor der Bestellung mit dem Steuerberater abklären, welche Anforderungen er an Export und Datenformat hat.

Tag 4–10 — Pilot in einem Fahrzeug: Ein einzelnes Fahrzeug ausstatten, der Fahrer protokolliert eine Woche lang. Beobachten: Wie oft hakelt die App, wie viele Push-Benachrichtigungen kommen pro Tag, wie schnell ist der Export.

Tag 11–20 — Steuerberater-Probelauf: Ein Beispiel-Export an den Steuerberater schicken, Feedback einholen. Anpassungen meist im Bereich Daten-Mapping oder Zusatz-Spalten.

Tag 21–30 — Flotten-Rollout: Anbieter mit dem besten Steuerberater-Feedback bestellen, restliche Fahrzeuge ausstatten. Fahrer-Schulung als kurze Online-Session (15 Minuten reichen für die App), schriftliche Anweisung mit den fünf häufigsten Eintragungs-Fragen.

Tag 31+ — Routine: Erste Monatsabrechnung anschauen, Plausibilität der Privatanteile prüfen. Wenn ein Fahrer >95 % Geschäft zeigt, kurz nachfragen — meist hat er einfach vergessen, die Pendlerfahrten zu kennzeichnen.

Bis 5 Fahrzeuge kostenlos

Wer eine kleine Flotte mit bis zu fünf Fahrzeugen verwaltet, kann das Fahrtenbuch-Modul von Leasingengel Fleet dauerhaft kostenlos nutzen — inkl. revisionssicherer Speicherung und DATEV-Export. Ideal als Einstieg, ohne Vertragsbindung. Mehr Infos im Bereich Fuhrpark verwalten.

FAQ

Häufige Fragen zum elektronischen Fahrtenbuch

Akzeptiert das Finanzamt jedes elektronische Fahrtenbuch?

Nein. Anerkannt sind nur Lösungen, die die Anforderungen aus dem BMF-Schreiben vom 04.04.2018 erfüllen — vor allem revisionssichere Speicherung und vollständige Pflichtangaben. Eine selbstgebaute Excel-Lösung oder eine simple Tagebuch-App ohne Audit-Trail ist KEIN anerkanntes elektronisches Fahrtenbuch. Vor der Wahl unbedingt prüfen, ob der Anbieter eine Zertifizierung oder zumindest ein BMF-Konformitäts-Statement liefert.

Was kostet ein elektronisches Fahrtenbuch pro Jahr?

Für Einzel-Dienstwagen liegen die Gesamtkosten typischerweise bei 100–200 Euro pro Jahr (Software-Lizenz) plus einmalig 30–150 Euro Hardware (OBD-Dongle oder GPS-Tracker). Bei Flotten ab 5 Fahrzeugen sinkt der Pro-Fahrzeug-Preis durch Mengenrabatte deutlich. Verglichen mit den 5.000+ Euro Steuermehrbelastung bei einer Aberkennung ist das vernachlässigbar.

Kann ich von Papier-Fahrtenbuch auf elektronisch wechseln?

Ja, aber typisch nur zum Jahreswechsel — eine Mischung aus Papier-Fahrtenbuch (Januar–März) und elektronisch (April–Dezember) akzeptiert das Finanzamt nicht, weil dann das Kriterium „in geschlossener Form für ein Wirtschaftsjahr" verletzt ist. Plane den Wechsel für den 1. Januar und starte mit einem korrekten Kilometerstand.

Wer hat Zugriff auf meine Privatfahrten?

Bei einem korrekt konfigurierten elektronischen Fahrtenbuch nur der Fahrer selbst. Der Arbeitgeber sieht die Eintragung „privat" plus die zurückgelegten Kilometer — Strecke, Ziel und Reisezweck bleiben gesperrt. Diese Einschränkung ist DSGVO-Pflicht, und seriöse Anbieter erzwingen sie über die Software-Rolle „Halter" vs. „Fahrer". Wenn der Anbieter dir verspricht, alle Daten auch an den Arbeitgeber herauszugeben, lass die Finger davon.

Was passiert, wenn das Gerät ausfällt?

Bei Ausfall des Geräts greift typischerweise eine 48-Stunden-Toleranzregel: Du musst die fehlenden Fahrten unverzüglich nachpflegen, sobald das Gerät wieder läuft, plus eine kurze Notiz „Aufzeichnung unterbrochen, Grund: …" eintragen. Wer das verschweigt und die Lücke später erklären muss, riskiert die Aberkennung des gesamten Quartals.

Integriert sich das Modul Fahrtenbuch von Leasingengel in unsere bestehende Buchhaltung?

Ja. Das Modul exportiert nach DATEV-Format direkt im Standard-Tarif. REST-API für individuelle Buchhaltungs-Systeme ist im Professional-Tarif enthalten. Zertifizierte Konnektoren für SAP, Microsoft Dynamics und Lexware sind auf Anfrage über unser Customer-Success-Team verfügbar.